Ironman Mallorca 2015

Unser CrossZone Coach Gabriel war letztes Jahr beim Ironman in Mallorca dabei und hat uns das Erlebte in einem lesenswerten Bericht zusammen gefasst..

Ich betreibe jetzt Triathlon seit sieben Jahren und bislang habe ich mich gegen die Langdistanz (auch bekannt als „Ironman“) gewehrt. Der Hauptgrund war natürlich an erster Stelle der Respekt, aber auch die Aufopferung, die dahinter steckt. Während wie bei fast allen Sportarten aller Anfang weh tut, waren nach meinem ersten Halbmarathon 2009 die Schmerzen zumindest so groß, dass ich mir nie hätte vorstellen wollen, wie zerstört man nach einem Ironman sein würde.

Abgesehen davon machten mir die kurzen Distanzen wie Sprint oder Olympisch, welche sich in einem zeitlichen Rahmen von 1-3 h Belastungszeit aufhielten, einfach extrem Spaß. Nichts ist langwierig – man ist stetig damit beschäftigt, sich auf den nächsten Schritt zu konzentrieren und ist zu 100% gewillt, das angeschlagene Tempo durch ziehen zu wollen. Da gibt es nur Vollgas, sonst nichts.

Der Reiz dann doch über die volle Distanz zu gehen, wuchs stetig. Nicht aus Langeweile, denn die Halbdistanz („Ironman 70.3“) forderte immer noch meinen absoluten Willen und das Überwinden von Grenzen. Die längeren Distanzen reizten mich deshalb, weil ich feststellte, dass mit jeder überwundenen mentalen Hürde dieselbe Distanz immer weniger schmerzte. Der Ironman wurde interessanter und der Respekt nahm ab.

Es blieb nur mehr der Punkt der Aufopferung und dieser forderte wie in allen Leistungsbereichen viel. Höheres Trainingspensum, angepasste Ernährung und noch mehr mentale Stärke waren gefragt. Während der Zeitfaktor zwar die Rahmenbedingungen für das Langdistanztraining stellte, war dieser jedoch mit einem guten sozialen Umfeld und etwas Organisationstalent schnell abgehakt. Die Ernährung und vor allem die mentale Stärke waren jedoch der Knackpunkt.

Warum gerade Crossfit?

Auf kurzen Distanzen wird bis auf Wasser grundsätzlich nichts benötigt. Bei Belastungen von 8 bis 16 Std. ist die Nahrungsaufnahme jedoch entscheidend und erfolgt nicht willkürlich sondern sollte im Training und Alltag mehrfach getestet und antrainiert werden. Die härteste Belastung war jedoch der Trainingsumfang – hier zeigt sich, ob dein Kopf der Herausforderung gewachsen ist.

Entweder gibst du, den Strapazen geschuldet, auf oder du quälst dich weiter bis zum Ziel. Auf letzteres hatte Crossfit bei mir einen enorm positiven Einfluss. Im Gegensatz zu den meisten Triathleten, welche nur den Ausdauersport im Triathlon sehen, kam ich vom Kraftausdauer Sport und sah das Arbeiten mit schweren Gewichten immer als einen wichtigen Leistungsfaktor im Triathlon.

Vom Crossfit erwartete ich mir – im Gegensatz zum gängigen Triathleten-Dasein als Einzelsportler – zunächst einfach mehr in einer Gruppe trainieren zu können. Da ich ein Wettkampftyp bin, war es eher schwieriger für mich beim Training Leistung zu zeigen. Hier brachte mir das Training in der Gruppe einfach viel Spaß. Das Tolle ist, dass man sich nicht alleine quält, sondern mit jedem Training von Mitstreitern umgeben ist, welche völlig unterschiedliche Ziele verfolgen und dennoch am gleichen Strang ziehen. Dies sind für mich ideale Wettkampfbedingungen ohne Wettkampf.

Doch das war nicht der Teil, der mir für den Ironman am meisten brachte, sondern, die Abhärtung im Kopf. Jede Crossfit-Einheit stellt einen kleinen Kampf mit sich selbst dar, welcher permanent positiv durch Trainer und Mitglieder unterstützt wird. Zudem ist positives Denken der größte Leistungsträger beim Ironman. Der Körper kann noch so gut trainiert und die Ernährung noch so perfekt abgestimmt sein, wenn dein Kopf die Belastung nicht verkraftet, dann ist das Ziel nicht erreichbar. Hier hat mich das Crossfit-Training extrem gestählt und deutlich belastbarer gemacht.

Gestählt für den Ironman

Der Ironman hätte am Ende nicht besser verlaufen können. Ich konnte relativ „entspannt“ an den Start gehen mit dem Wissen das die Vorbereitung gut war. Da ich von vornherein mit Zurückhaltung an den Start gegangen bin, war das 3,8km lange Schwimmen zum Auftakt wirklich ein Vergnügen, bei der mir meine Schwimmervergangenheit zugute kam.

Nicht so der Wechsel zum Rad. Was ich eigentlich als eine meiner Stärken bezeichnen würde, wurde zu einer mentalen Herausforderung. 180 km sind einfach verdammt viel.

Im Gegensatz zur Kurzdistanz bestimmt hier der Energiefaktor das Tempo. Das Rennen wurde schlagartig in die Hände von Nahrung und Kopf gelegt. Aus Angriff und überholen wurde überholt werden und Frust. Das Schwierigste war sich beständig an seinen Wettkampfplan zu halten und auf diesen zu vertrauen. Der Krafteinsatz wurde limitiert und alle 20 Minuten an die Verpflegung gedacht. Keine Attacken und unkontrollierte Nahrungsaufnahmen – eine extreme Herausforderung. Man funktioniert hier im Prinzip wie ein Auto, je kontrollierter ich Schalte und Tempo halte desto weiter komme ich mit meinem Tank!

Durch diese Taktik konnte ich letztendlich muskulär relativ entspannt in den Marathon einsteigen und war nur noch froh vom Rad zu kommen. Mental war das jedenfalls meine bisher größte Herausforderung.

Der Marathon hat sehr gut begonnen, mit keinerlei Problemen und das Rennen hat echt wieder angefangen Spaß zu machen. Endlich Zuschauer und privater Support, ein wichtiger Leistungsfaktor. Das ging bis Km 10 sehr gut, bis sich dann Energie und Mineralstoff Reserven dem Ende neigten. Ohne, dass es mir wirklich schlecht ging, musste ich die Geschwindigkeit immer weiter drosseln. Der Körper versucht immer mehr Reserven der Energiegewinnung rauszuholen, wobei die Nahrungsaufnahme bzw. deren Verdauung gleichzeitig immer mehr reduziert wird.

Hier begann der entscheidende Kampf mit mir selbst, bei dem ich mich sehr gut kennenlernte. Ein Wechsel aus Gehen, Laufen, Kühlen und Trinken wurde zum Programm. Man betrachtet nicht mehr die gesamte Strecke sondern denkt nur mehr von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation, sprich 2,5 km. Die einzige Waffe, die bleibt, ist das Arsenal an motivierenden Gedanken. Das interessante war, dass ich scheinbar schon so gefestigt war, dass aufgeben nie ein Gedanke war. Nur das Switchen von Gehen zu Weiterlaufen wurde oft zur Herausforderung.

Nach 4 Stunden Marathon und ca. 3l Cola rebellierte dann der Darm endgültig, wodurch die letzten 5 Kilometer zur Ewigkeit wurden. Mein persönlicher Mann mit dem Hammer schlug zu. Ich hatte noch 40 Minuten Zeit, um mein persönliches Ziel zu erreichen und kam gefühlt einfach nicht mehr vorwärts.

Als der ersehnte Zieleinlauf dann doch unter dem selbst gesetzten Zeitlimit blieb, waren dementsprechend unbändige Emotionen im Spiel. So viel Energie und Euphorie hatte ich sonst noch nie direkt danach. Unbeschreiblich!

Ohne den Support meiner Freundin Lena, Triathlon-Kollegen Christoph Fellner und dem sozialen Rückhalt der Leute daheim, die mitfieberten, wäre dies unvorstellbar gewesen. Wider Erwarten waren die Nachwirkungen faszinierend, da ich abgesehen von meinem überforderten Stoffwechsel, welcher 2 Tage lang anhielt, muskulär keinerlei Schmerzen hatte. Der Aufbau über mehrere Jahre hat sich hier definitiv bezahlt gemacht.

Übrigens: Nächste Woche könnt ihr das klassische Spotlight Interview mit unserem Coach Gabriel lesen!