2015 Reebok Crossfit Games

Nachdem in Carson, California etwas pazifisches Wasser weitergezogen ist, wird es Zeit, mein persönliches Resümee über die diesjährigen Crossfit Games zu ziehen..

Die „Crossfit Games“ sind momentan die wichtigsten Wettkämpfe im Crossfit Universum und stellen nach einigen Vorausscheidungsturnieren das große Finale dar. Die besten 40 weiblichen und 40 männlichen Athleten und die besten Teams aus den 17 Regionen der Vorausscheidungen wurden eingeladen, 4 Tage lang um das Zepter des „Fittest on Earth“ und etwas Kleingeld zu kämpfen.

Die Veranstaltung

Nicht zu übersehen ist, dass die Veranstaltung von Jahr zu Jahr professioneller wird. Die Crossfit Games verzeichnen jährlich Zuwächse – sowohl bei Zuschauern vor Ort, als auch online. Die Moderation, die Berichterstattung danach, die Interviews, die Livestreams – das alles wirkt sehr gut durchorganisiert und lädt zum Zuschauen ein – genau da stellt sich die Frage: Was macht Dave Castro da? Natürlich ist er CEO und sicher hat ihm der Sport auch vieles zu verdanken, aber jemand der ständig vor der Kamera flucht und verglichen mit dem restlichen Moderationsteam fast unbeholfen wirkt, sollte sich mehr auf seine Rolle im Hintergrund konzentrieren.

Der Wettkampf

Was dem Team rund um Castro jedes Jahr aufs Neue gelingt, ist es zu überraschen. Sei es mit neuen Gerätschaften oder einer Härte an Wettkämpfen, die nahezu nicht mehr zu absolvieren ist. Ob diese Überraschungen gut oder schlecht sind, sei dahingestellt.

Ich, persönlich finde, dass gerade die ersten beiden Tage der Hauptwettkämpfe (Masters und Teens einmal außen vor gelassen) eher einer großen Produktpräsentation von Rogue glichen. Da wurden Gegenstände hervorgebracht, die für den Zweck, für den sie verwendet wurden, beinahe unnötig waren – z.B.: die Schreibtruhe für 40m beim „Event 2: Sandbag“. Teilweise hatte man das Gefühl, es wurden die Workouts um das Gerät entwickelt und nicht umgekehrt bzw. wurde zwanghaft versucht etwas Neues und Innovatives einzubauen – Stichwort: Peg Board im Final Event, aber dazu später mehr. Auf das Rescue Board des Vorjahres hätte ich als Zuschauer gerne verzichten können – auch wenn es sicher hart und eine große Herausforderung ist – wer sieht denn gerne 6 austrainierten Personen zu, wenn sie ein Brett mit 1km/h durch das Wasser ziehen und dabei aussehen, als ob sie das Brett für sich selbst benötigen würden.

Oder wie vorhin angesprochen: Das Peg Board im finalen Event. Es musste versucht werden, ein durchlöchertes Brett mit 2 Stöcken in den Händen kontrolliert nach oben und unten zu klettern.

Wenn plötzlich die fittesten Menschen aus dem Crossfit-Universum wie beleidigte Jugendliche vor einer Wand stehen und nicht hochkommen und warten müssen bis das Timecap sie rettet, wirkt das nicht als ob der Wettkampf den „Fittest of the World“ sucht, sondern die Frustrationstoleranz der Athleten – und in dem Fall vor allem die, der Athletinnen – testet.

Dies ist auch einer der größten Diskussionspunkte der Community: Es geht um umfassende Fitness und darum, auf alles vorbereitet zu sein – warum soll ich also Events machen, die dem Publikum gefallen oder fernsehwirksam sind, aber nicht die gesamte Bandbreite der Fitness testen, oder die Athleten dazu bringen über ihre Grenzen zu gehen? Ich bin natürlich auch dafür, dass man die Athleten fordert, aber es gibt in jedem Sport Reglements, die keinen Nutzen für die Sportart selbst haben, aber den Werbewert steigern. Die Crossfit Games haben von der Größe her noch nicht den Zenit erreicht. Es gibt noch Potential und das sollte man nicht außer Acht lassen. Wenn ich noch nie etwas von Crossfit gehört hätte und während dem Finale ESPN aufdrehe und bei der Suche nach den fittesten Menschen 10 muskelbepackte Männer und Frauen sehe, die die Wand nicht hochkommen, würde ich das vermutlich etwas belächeln.

Das Peg Board an sich finde ich eine interessante Erweiterung, aber eben vielleicht in einer früheren Phase der Wettkämpfe. Das bringt mich gleich zu den Events.

Die Events

Die Events selbst waren mit einigen Ausnahmen sehr abwechslungsreich und breitschichtig gewählt. Ein Highlight war sicher Murph (1 mile run, 100 pull ups, 200 push ups, 300 squats, 1 mile run mit Gewichtsweste). Mein persönliches Highlight jedoch war, abgesehen vom Peg Board-Desaster, das Final-Event:

3 peg board ascents
24 calorie row
16 calorie airdyne
8 dumbbell squat snatches 30/45kg
2’rest
12 parallette handstand push ups
24 calorie row
16 calorie airdyne
8 kb deadlifts 110/180kg

Dreizehn harte und abwechslungsreiche Events, die dazu noch gut in Szene gesetzt wurden.

Was will man mehr?

Ein Programming, das nicht die Gesundheit der Athleten aufs Spiel setzt – und zwar weder bei den Individuals noch bei den Teams: Warum macht man eine schwere Snatch Speed Ladder nach Murph? Das Argument, dass es um umfassende Fitness geht, gilt ab dem Zeitpunkt nicht mehr, ab dem eine Verletzung der Muskelstruktur, oder noch schlimmer, der passiven Strukturen provoziert wird. Auf vollkommen entleerte Speicher und einer Überlastung der Muskelfasern durch Murph – die technisch schwierigste und explosivste Übung unter Zeitdruck und mit vielen Wiederholungen – abzuverlangen, ist nicht nachhaltig. Da grenzt es eher an Glück, dass nicht mehr Verletzungen passiert sind. Dagegen sind die eigenartigen Partner-Deadlifts bei den Teams mit einer erzwungenen Rumpfrotation eine Lappalie.

Genug von den Kritikpunkten und weiter zum absolut Positiven:

Die Athleten und Athletinnen

Egal in welchem Zusammenhang, oder egal bei welchen Workouts: Alle Athleten glänzten durchwegs mit einer guten Technik und beeindruckenden Leistungen. Sei es die Weightlifting Technik oder die Herangehensweise (sowohl technisch als auch taktisch) an die Workouts. Besonders die „Heavy DT“ -Zeiten waren nach den vorangegangen WODs unglaublich. Die Athleten und Athletinnen werden von Jahr zu Jahr stärker, was die Attraktivität von dieser Seite her definitiv steigern wird.

Besonders hervorzuheben sind die Europäer (besonders die Isländer/innen) 1. Platz Davidsdottier,, 3. Platz Sigumundsdottier bei den Frauen, 3. Platz Björgvin Karl Guðmundsson und ein fantastischer Finne Jonne Koske als 9. Crossfit Solid aus Schweden zeigte als 5. eine sehr starke Teamleistung. Das Level der Sportler steigt und steigt. Das Training der Athletinnen und Athleten ist hochprofessionell geplant und strukturiert – und das merkt man auch.

Anbei die Gewinner im Überblick:

Teams
1. Crossfit Mahem Freedom (nobody beats Rich on Sunday)
2. Crossfit Milford
3. Ute Crossfit

Individual Women
1. Katrin Tanja Davidsdottir
2. Tia-Clair Toomey
3. Sara Sigmundsdottir

Individual Men
1. Ben Smith
2. Mathew Fraser
3. Björgvin Karl Guðmundsson

Mein Resümee

Abwechslungsreiche Workouts, die einiges an Bauchschmerzen bereiteten – welche aber durch die starken Athleten und Athletinnen gemildert wurden. Wie sich die Games weiterentwickeln werden, steht in den Sternen. Was aber passieren wird, ist, dass die Sportler immer professioneller arbeiten werden. Sowohl in der Planung, als auch in der Diagnostik und Trainingsauswertung werden weitere Schritte gemacht, um das Training qualitativ noch hochwertiger zu gestalten. Interessant wird auch, welche Zuwächse die NPGL–Grid League verzeichnen wird und ob sie den Crossfit Games gefährlich werden kann. Ich denke: Ja..

Bildquelle: Official Crossfit Games Facebook Page