„Kampf der Gladiatoren“ – Crossfit Games 2014

Vergangenes Wochenende gingen die diesjährigen Crossfit Games von statten. Es waren Games, die viele Überraschungen bereit hielten– Zumindest was die Workouts betraf.

„Kampf der Gladiatoren“ – Crossfit Games 2014

“The human body is an incredible machine, but most people only get out of that machine what their mind allows them to.” – Rich Froning

Die Workouts

Die Crossfit Games gaben wie jedes Jahr dem CEO Dave Castro, die Möglichkeit seinen Wahnsinn auszuleben. Von sehr kreativen, bis zu vollkommen abgedrehten Workouts war alles dabei. Übergreifend lässt sich sagen, dass dieses Jahr ein großer Anteil an Ausdauereinheiten dabei war. Mit „The Beach“ (Schwimmen, Burpees, Thrusters), „Triple 3“ (quasi ein Triathlon mit Rudern, Double unders, und Laufen) und einem der vermutlich härtesten – sowohl für die Physis, als auch für die Psyche – „Muscle up Biathlon“. Letzteres  beinhaltete einen Lauf mit einigen Höhenmetern über 400m und dazwischen 18 Muscle ups, dann 15 und dann 12. Das wäre in Summe ja noch ertragbar, wäre da nicht die 200m- Strafe für jedes mal von den Ringen runter gehen.
Ein zweiter Schwerpunkt lag dieses Jahr auch in der Schnellkraftausdauer. Mit zwei Prowler-Wertungen, einer Clean-Leiter mit sehr hohen Gewichten unter Zeitdruck und einem 21-15-9 Complex mit Deadlifts, Cleans, Snatches und Pull ups, Chest to bar Pull ups und bar Muscle ups.

Natürlich waren auch wieder klassische Crossfit- WODs dabei, jedoch extremer und variantenreicher, als die Jahre zuvor. Die Workouts ließen erahnen, wie hoch das Niveau der Athleten und Athletinnen dieses Jahr war. Dafür bezeichnend ist, dass das allerletzte Workout direkt im Anschluss nach „Thick `n quick“, (Seil klettern und Overheadsquats) erst auf der Wettkampffläche bekannt gegeben wurde und die Athleten/Innen nur 2min Pause hatten. Dieses Workout war „Double Grace“ – 60 Clean & Jerks. Dieses Benchmark Workout ist in seiner Grundfassung, also 30 Clean & Jerks schon hammerhart, aber die doppelte Variante ist verrückt, vor allem nach 12 vorhergehenden Workouts.

Die Team Workouts waren wie jedes Jahr wieder sehr kreativ und eine gute Leistung des Planungsteams rund um Castro. Wie jedes Jahr ließ es auch wieder Rogue die Möglichkeit neues Spielzeug, welches nur wenige verwenden werden (wie den „Rescue Sled“- ein übergroßes Surfboard, dass im Wasser bremst), zu präsentieren.

 

Die Athleten und Athletinnen

Wie zuvor schon erwähnt ist in diesem Jahr das Niveau deutlich gestiegen. Auch die Kluft zwischen Männern und Frauen wird immer geringer. Skaliert wird nur mehr bei den Gewichten, nicht mehr bei den Übungen.

Am Eindrucksvollsten aus meiner Sicht waren dieses Jahr die Rookies. Allen voran Mathew Fraser. Unbeeindruckt von den Athleten rund um ihn sorgte er regelmäßig für Staunen. Egal, ob ein erster Platz bei den Overhead squats, oder 3 Stockerlplätze bei den letzten 3 Workouts – er verwieß große Namen auf die hinteren Ränge und reihte sich gesamt auf Platz 2 vor Jason Khalipa ein. Erwähnen möchte ich noch Cody Anderson, der zwar nicht um den Sieg kämpfte, aber mit 70kg Körpergewicht (durchschnittlich 20kg weniger als jeder andere Athlet) eine extrem gute Performance ablegte und den Muscle up Biathlon ohne nur einmal von den Ringen zu gehen gewann. Bei den Damen sind vor allem Lauren Brooks, die sich gesamt auf Platz 7 mit zwei ersten Plätzen setzte und Kara Webb, die mit 19 Jahren nach Tag 2 den zweiten Gesamtrang beanspruchte, hervorzuheben. Leider verlor sie dann am Tag 3 einiges an Boden und musste sich kurz vor Schluss geschlagen geben.

Die „Oldies“: Mit einigen Überraschungen, wie Luke Parker und Talayna Fortunato, die quasi von Workout 1 nur mehr von der Entfernung zusehen konnten, ließt sich das Leaderboard wie letztes Jahr. Darunter finden sich Namen wie Bridges, Panchik, Smith, Foucher, Letendre, Thorisdottir – die dieses Jahr, obwohl ihr viele aufgrund der langen Abstinenz keine Chancen zurechneten, einen unglaublichen zweiten Platz erzielte.

 

Die Gewinner:

Bei den Damen war schon nach Tag 2 das Meiste entschieden. Camille Leblanc- Bazinet erreichte in ihrer 5. Games Teilnahme endlich ihr Ziel und darf sich jetzt für ein Jahr lang „Fittest Woman on Earth“ nennen – und das mehr als verdient. Mit 9 Top 10 Ergebnissen besiegelte sie ihre diesjährige Übermacht.

Bei den Männern gewann zum vierten mal in Folge die lebende Legende Rich Froning. Obwohl am Ende jeder sagt – „war doch klar“ – war es dieses Jahr alles andere als leicht für den Champion. Nach Tag 1 und 2 hörte man viele Stimmen laut werden, die ihn von der Rechnung gestrichen hatten. Nachdem er bei dem Triathlon zu laufen aufhörte und nur mehr spazieren ging sah es nicht allzu rosig aus. Doch was wäre Rich Froning ohne seinen taktischen Meisterleistungen. Nach einem 37., einem 27. Platz benötigt es normalerweise ein Wunder, um sich wieder zurück an die Spitze zu kämpfen. In Fronings Variante sieht dieses Wunder so aus: die letzten 3 Workouts gewinnen und somit alle Verfolger in die Schranken zu weisen.

Die Team Competition konnte dieses Jahr Crossfit Invictus für sich entscheiden. Sie zeigten deutlich, dass es nicht notwendig ist Workouts zu gewinnen, sondern viel wichtiger, in jedem Workout sehr gut zu sein. So gewannen sie die Gesamtwertung, ohne auch nur ein WOD für sich zu entscheiden.

 

Positives

Neben den harten Workouts zeichnet vor allem der Community Gedanke Crossfit aus. Egal, ob unter den Athleten oder unter den Fans, Judges etc. herrschte immer eine gute Stimmung.
Auch hervorzuheben ist, dass dieses Jahr im Vergleich zu den Vorjahren die Übungsausführung bei den meisten Teilnehemer/Innen hervorragend ist – egal, ob Overhead Squats oder schwere Cleans- von der ersten bis zur letzten Wiederholung ist die Technik stabil. Somit wird zumindest nach außen hin die Sportart darin bestärkt, dass Crossfit mehr ist als nur hunderte Wiederholungen mit schlechter Technik. Das Hauptaugenmerk im Training liegt vor allem auf der richtigen Ausführung. Oben genannte Punkte, die Kreativität der Workouts und die Rundum- Organisation sind, denke ich, der Grund, warum die Sportart jedes Jahr an Anhänger gewinnt.

 

Negatives

Das Demo-Team: Man war sich zeitweilig nicht ganz sicher, ob das Team, welches die Workouts den Athlenten/Innen vorführte, zuvor auch nur einmal die Übungen durchprobiert hatte – was manchen Athleten ein Lächeln abverlangte – den teilweise wäre faktisch keine einziger Rep der vorgezeigten Übungen gültig gewesen. Auch Dave Castro, als Moderator des Spektakels wird immer wieder als nicht altzu guter Sportkommentator eingetsuft. Peinliche Stille während das Demo-Team die Übungen vorführte (sofern sie die Übungen kannten) gepaart mit unnötigen Wortfetzen des Organisators – vermutlich nicht jedermanns Sache.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Übungsausführung bei den Teams. Man merkt die qualitative Differenz zwischen Individuals und Teams leider häufig.
Alles in allem schlugen die Games dieses Jahr alle vorhergehenden, was die sportliche Leistungsfähigkeit und die Motivation der Athleten und Athletinnen betraf. Nochmals hervorzuheben sind die Rookies und natürlich die Gewinner. Doch nach den Games ist vor den Games. Die Champions, sofern sie nächstes Jahr teilnehmen, starten vermutlich genau heute ihre Vorbereitung für nächstes Jahr – wir auch!